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Augenarbeit


Berlin gibt sich als Hamburg. Nass und kalt. Auf den Straßen nur Leute, die unausweichliche Gänge machen müssen. Man kann ganz ungestört mit der Stadtwerbung kommunizieren. Nein, vielen Dank. Kenn’ ich schon. Bin ich schon. Später vielleicht. Schönhauser Ecke Kastanienallee, An einem Sonntag im August. Man raucht und trinkt Kaffee. Tatsächlich ist Sonntag. Tatsächlich ist August. Entlang der Erlebnisallee geht es weiter, die Cafés sind voll, eine Radfahrerin lenkt ihr Vorderrad in die Tramgleise. Der Sturz ist fast elegant. Da steht sie aber schon wieder. Noch immer sehr schick. Glücklicherweise streikt die BVG, sonst wäre das Bein ab. Wie bei Mary K. in Heimito von Doderers Strudelhofstiege.
Die Kastanienallee wird schließlich zum Weinbergsweg, biegt man dort nach rechts ab, gelangt man zum Zionskirchplatz, der höchsten Erhebung Berlins mit Ausnahme der städtischen Trümmerberge.
Sitzt man dort in einem der Cafés, kann man das Trottoir studieren. Pflaster sind aus einem bestimmten Material. Es ist aus der Gegend oder von weit her. Es hat eine Zeit. Es ist abgenutzt oder ganz neu. Es gibt einen Ton von sich, je nachdem, ob Pferdehufe, Ladystiefel, Eisen- oder Gummiräder darüber hinwegrollen. Sein Zustand ist ein guter Indikator für den Zustand einer Stadt. Es ist die Haut – und wie diese gepflegt oder ungepflegt. Dieses Plaster hier gehört unverkennbar zu Berlin. So mag man vor sich hin denken, bis eine Servicedame den Kaffee serviert.
Zu Berlin gehört das Flanieren. Der Flaneur lässt sich treiben. Ihn interessiert nicht das Wohin, sondern das Wo. Er schreitet ab, hat seinen eigenen Rhythmus. Bald schneller, bald langsamer. Er geht herum, er geht einer Sache nach. Es macht ihm nichts aus, dort wieder anzukommen, wo er losgegangen ist, wenn er nur dabei etwas gesehen hat, was er versäumt hätte bei einem Gang geradeaus.
Viel Spaß beim Flanieren auf dieser Seite.


 

Zionskirche

Oskar Becker, Onkel der Malerin Paula Modersohn-Becker, saß im Frühjahr 1861 in Leipziger Bibliotheken. Er studierte orientalische Sprachen. Und er war zornig, ein politischer Feuerkopf und Mitglied einer nationalistisch gesinnten Gruppierung. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es zahlreiche solcher nationalistischen Bewegungen in Deutschland, deren gemeinsame Absicht es war, eine auf einen Nationalstaat gerichtete deutsche Identität zu etablieren. Dem standen die damals herrschenden politischen Kräfte entgegen.

Als größten Widersacher machte der Student den damaligen König von Preußen, späterer Kaiser Wilhelm I., aus und beschloss im Juli 1861, ihn zu ermorden. Wilhelm wiederum war zu dieser Zeit auf einem Erholungstrip in Baden-Baden. Becker kaufte sich eine doppelläufige Pistole, fuhr nach Baden-Baden und traf auf der Lichtentaler Allee auf den König. Becker zog seine Waffe, zielte eine Sekunde, doch er verriss beide Schüsse und wurde eingeknastet.

Wilhelm atmete durch und blickte auf die sommerliche Allee. Er glaubte nicht an Glück, sondern an Vorsehung. Ein Dankeschön an Gott war fällig. Eines, das sich sehen lassen konnte. Der König entschloss sich, auf dem damals höchsten Punkt Berlins eine prächtige Kirche zu errichten.

Zu Baubeginn war die Gegend um den Zionskirchplatz weitgehend noch Ackerland. Nach den Vorgaben der Architekten Möller und Orth wurde von 1866 bis 1873 eine kreuzförmige Emporenkirche errichtet, die wir Heutigen salopp dem Stil der Neoromanik zuordnen. Am 2. März 1873 wurde in Anwesenheit des Kaisers und seines Reichskanzlers Bismarck die Eröffnung gefeiert.

Eine andere Wendung nahm das Schicksal Oskar Beckers. Wilhelm hatte ihn fünf Jahre im Kerker sitzen lassen und ihn 1866 begnadigt. Becker wanderte erst nach Nordamerika aus und ging dann in die ägytische Hafenstadt Alexandria, wo er 1868 wohl nicht zuletzt an den Folgen der Haft verstarb. 

 

 

Über Tschechien

Wir Tschechen sind ein sehr altes Volk, wenn auch in Europa ein sehr junger Staat. Seit 2004 gehört unser Land zur Europäischen Union, was unser Präsident, der Herr Klaus, eher skeptisch beurteilt. Tschechien ist ein modernes Land, das merkt man hauptsächlich in unserer Hauptstadt Prag.

Manche sagen, wir wären ungekrönte Weltmeister, im Biertrinken nämlich. Wir haben außer den Schaumkronen aber noch jede Menge anderer Kronen, wir bezahlen sogar damit    unsere Landeswährung heißt Tschechische Krone. Die kleinen Kronen heißen Heller, und es gibt sie immer weniger. Irgendwann gibt es sie gar nicht mehr, dafür dann aber die Euros und Cents. Das macht einiges leichter, besonders beim Reisen.

Zu essen gibt es bei uns viele leckere Sachen. Es gibt deftiges Schweinefleisch, Lendenbraten, gebratene Enten, Karpfen und dazu oft Knödel und Kraut. Oder kleine Spezialitäten zum Bier wie Hermelinkäse und Ertrunkene. Und wer kein Bier mag, der trinkt eben Wein. Der beste kommt bei uns aus Mähren.

Obwohl viele von uns immer dicker werden, so sind wir doch auch sehr sportlich. Am populärsten ist bei uns das Eishockey. Fast jeder kann es spielen, es gibt eine große Zahl an Vereinen, und man kann sogar Weltmeister werden. Wenn man nicht ganz so sportlich ist (und auch nicht zu dick), dann kann man zum Beispiel Topmodel oder Supertopmodel werden. Das haben auch schon einige geschafft.

Bleiben Sie gesund und reisen sie einmal in die Tschechische Republik! Nicht nur Sie werden sich wohl fühlen bei uns, sondern auch Ihre Kinder. Die Ritterburg können Sie zu Hause lassen – bei uns gibt es über 2000 echte Burgen und Schlösser. Ahoj!

Honza